Ein Wort vorab

Das Spektrum reicht von den vielen in Eigenleistung durch die Wehren selbst oder auch durch kleinere örtliche Handwerks- und Karosseriebetriebe, teilweise aber auch durch die Feuerwehrgeräteindustrie, zu Einsatzfahrzeugen umgebauten Modellen, bis hin zu jenen für den Export bestimmten Wagen mit ihren typischen, auf unser Auge zumeist etwas fremdartig und exotisch wirkenden Aufbauten und Ausrüstungsmerkmalen.

In der Literatur wurde diese große Fahrzeuggruppe bisher eher stiefmütterlich behandelt, obwohl es sie früher bei fast jeder Wehr gab und sie sich aus ehemaligen Armee-, Polizei- oder sonstigen beliebigen zivilen Modellen, deren Bandbreite sich vom Personenkraftwagen bis hin zu Last-und Lieferfahrzeugen erstreckte, rekrutierte. Die Fahrzeuge wurden, soweit dies möglich war, nach den speziellen Vor-stelJungen und Bedürfnissen der jeweiligen Feuerwehr umgebaut.

Viele dieser Fahrzeuge stammten aus Beständen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, die nach dem Krieg überall nutzlos herumstanden und auf die Verschrottung warteten. Aber auch die in großer Stückzahl nun überzähligen Fahrzeuge der westalliierten Armeen, besonders der US-ameri-kanischen, bereicherten das zur Verfügung stehende Potenzial.

Diese in den 50er und 60er Jahren auch bei größeren Wehren weit verbreitete Fahrzeugkategorie war auch ein Indiz für die Not der Nachkriegszeit und die Improvisationsfähigkeiten der überwiegend aus handwerklichen Berufen stammenden Wehrmänner. Neue Fahrzeuge standen zu dieser Zeit anfangs nur sehr beschränkt zur Verfügung, so dass man sich mit Provisorien behelfen musste. Teilweise fehlten aber auch die zur Anschaffung neuer Fahrzeuge erforderlichen finanziellen Mittel. Zu den Eigenumbauten zählten auch jene Feuerwehrfahrzeuge, deren Verwendungszweck durch Umrüstung, z. B. bei Entfernung des Aufbaus, um dadurch das Chassis für andere Zwecke weiterverwenden zu können oder bei Umsetzung eines Drehleiterparks auf ein neueres Fahrgestell, geändert wurde. Zumeist erfüllten diese Fahrzeuge die ihnen zugedachten Aufgaben wie neue Modelle, so dass sie jahrelang im Dienst verblieben. Für kleinere, weniger finanzkräftige Wehren, war ein in Eigenarbeit umgestaltetes Fahrzeug manchmal das erste Motorfahrzeug überhaupt und daher der Einstieg in die Motorisierung. Dieser Schritt begann bereits in den 20er Jahren mit der Umrüstung mancher schwerer Personenkraftwagen, die über die nötige Tragfähigkeit verfügten, und er trug sehr dazu bei, die Mobilität der Feuerwehren, besonders auf dem Lande, zu erhöhen.

Fast jedes dieser Modelle war ein Unikat und daher einzigartig. Es erstaunt heute immer wieder, welch unterschiedliche Konstruktion auf diesem Gebiet in der Vergangenheit hervorgebracht worden sind. Heute sind diese Modelle sei-
tener geworden, obwohl bei den Wehren immer noch relativ viel in Eigenarbeit verändert und umgebaut wird. Insgesamt überrascht es sehr, auf welch lange Einsatzzeiten manche dieser ursprünglich nur für eine Übergangszeit vorgesehenen Fahrzeuge zurückblicken können.

Leider wurden viele dieser Fahrzeuge weder im Foto festgehalten noch anderweitig dokumentiert, oder deren Abbildungen gingen im Laufe der Zeit verloren. So gehören die wenigen fast ausschließlich als Amateuraufnahmen überlieferten Fotografien zu den besonderen Raritäten.

Eine Auswahl der interessantesten Konstruktionen ist in diesem Buch zu sehen, und sicherlich wird manches dieser Einzelstücke die zahlreichen Modellbauer unter den Lesern zu entsprechenden Umbauaktivitäten anregen, denn oftmals sind es gerade diese nicht nach Normen gestalteten Fahrzeuge, die allein schon wegen ihrer Einzigartigkeit einen besonderen Reiz auf Sammler und Liebhaber ausüben. Darüber hinaus wurde das Bildmaterial durch ausgewählte, unveröffentlichte, aus Privathand oder von den Feuerwehren selbst stammende Betriebs- und Einsatzaufnahmen ergänzt.

Erstmals werden in diesem Band historische, überwiegend aus den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten stammende Farbaufnahmen veröffentlicht, die als besondere fotografische Leckerbissen zu bezeichnen sind, denn das Fotografieren mit Farbfilmen war zu jener Zeit, als allenthalben fast ausschließlich Schwarz-Weiß-Filme belichtet wurden, bei dem vergleichsweise teuren und noch mit vielen Mängeln behafteten Material, das überdies nur recht bescheidene Filmempfindlichkeiten aufwies, problematisch, so dass es noch eher eine Ausnahme war, wenn ein Farbfilm eingelegt wurde. Neben dem Filmmaterial hat auch die Kameratechnik, insbesondere die verbesserte Farbwiedergabe der Objektive, in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. So ist es erklärlich, dass nur relativ wenig Farbaufnahmen aus dieser Zeit existieren. Aber auch die Qualität des hier abgedruckten Schwarz-Weiß-Materials kann nicht immer mit der heute erreichbaren Güte mithalten, handelt es sich doch zu einem größeren Teil auch hier um Amateuraufnahmen, von denen keine Negative mehr existieren und die mittels Reproduktion abgezogen werden mussten. Anders ist die Situation bei den aus Werksarchiven stammenden Aufnahmen, die in der Regel von Berufsfotografen auf großen Negativ- oder Plattenformaten erstellt worden sind und daher – trotz ihres Alters – eine meist gute Qualität aufweisen.

Neben den Aufnahmen aus Westdeutschland, die wie immer stückzahlmäßig überwiegen, und den – leider – nur wenigen Abbildungen aus der ehemaligen DDR, wurde dieses Mal auch Bildmaterial von in Österreich beheimateten Feuerwehrfahrzeugen, überwiegend auf deutschen Fahrgestellen und meist als Eigenumbauten, aufgenommen, da genügend Material von ähnlichen Fahrzeugen aus Deutschland nicht zur Verfügung stand. Die gezeigten Wagen sind aber in ihrem Erscheinungsbild so interessant, daß ich auf die Veröffentlichung der Aufnahmen nicht verzichten wollte, zumal ähnlich geartete Fahrzeuge auch bei deutschen Wehren in der Nachkriegszeit in großen Stückzahlen ihren Dienst versahen. Ich hoffe, damit für die überwiegende

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